Extraterrestrische Phantasien — Doris Hansens Mikrowelten

Die kleine rosa Rakete schießt im hohen Bogen auf einem regenbogenfarbenen Schweif in den Orbit. Ein Motiv wie aus einem Kindercomic. Bunt, einfach und irgendwie süß.

doris-hansen-plakat-rundschau-kl Dieses kleine Plakat hat mich zu der Ausstellungseröffnung in das italienische Café gelockt. Nach einem kurzen Rundgang genehmige ich mir erst mal ein vernünftiges Abendessen. Die Wahl fällt auf Latte Macchiatto und hausgemachte Cantucci.

Das Caffè Degli Artisti scheint genau der richtige Ort für die “Mikrowelten” von Doris Hansen zu sein. Original italienisch und damit auch ganz typisch für Berlin-Kreuzberg – nämlich so überhaupt nicht deutsch. Fremd und eigen, aber trotzdem bzw. gerade deshalb ein gemütliches Stück Heimat.

Diese Beschreibung könnte so auch zu den Reliefen und Zeichnungen von Doris Hansen passen. Ihre “extraterrestrischen Phantasien” setzt sie auf dreierlei Art um: in größeren Objekten und Installationen – wie der aktuelle Eyecatcher im Schaufenster des Cafés, in längsformatigen Reliefen und in digital kolorierten Bleistiftzeichnungen.

Die Künstlerin geht davon aus, daß der Betrachter weitestgehend von der Natur entfremdet ist. Ihre Werke zeigen künstliche Paradiese aus organischen Formen, die bei den Objekten und Reliefen aus “naturfernen” Materialien bestehen. Es werden Styropor, synthetische Textilien, Plastik, Knetmasse und LED verwendet.

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Zwei Worte höre ich an dem Abend von verschiedenen Gästen. Sie sprechen sie etwas berührt und sehr respektvoll aus. Skurril. Kitschig. Später fällt mir ein Drittes ein. Mutig.

Neben Ausstellungen in Galerien bindet Doris Hansen ihre Mikrowelten auch in Alltagsräume wie Läden und freistehende Vitrinen ein.

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Viele ihrer Werke und Ausstellungsansichten sind auf Doris Hansens Website und Blog zu sehen.

Ausstellung "Rundschau"
9.11. bis 22.12.2012
Caffè Degli Artisti, Fidicinstr. 44, 10965 Berlin
(U6 - Platz der Luftbrücke)

...und probieren Sie unbedingt die hausgemachten Cantucci!

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Fotos und Text: Martin Ganske, 16. November 2012